Der reiche Fuchs kriegt immer Recht…
„Schwester Gans schwamm einst auf einem See,
und der alte Bruder Fuchs verbarg sich hinter den Weidensträuchern. Langsam
schwamm Schwester Gans gegen das Ufer hin. Als sie nahe genug herangekommen
war, sprang Bruder Fuchs aus seinem Versteck hervor, um sie zu fangen. >So,
Schwester Gans <, sprach er, >jetzt habe ich dich. Du bist auf meinem See
geschwommen, und das nicht zum erstenmal. Heute habe
ich dich endlich gefaßt. Ich werde dir jetzt das
Genick umdrehen und dich auffressen.<
>Immer langsam, Bruder Fuchs<, antwortete die Gans. >Ich habe
doch wohl das gleiche Recht, auf diesem See zu schwimmen, wie du. Falls du das
bezweifelst, wollen wir vor Gericht gehen, und dort soll geklärt werden, ob du
ein Recht dazu hast, mir das Genick umzudrehen und mich aufzufressen.<
Und so gingen sie vor Gericht. Aber als sie dort hinkamen, was mußte die Gans da erleben! Der Sheriff war ein Fuchs, der
Richter war ein Fuchs, die Staatsanwälte waren Füchse und die Geschworenen
waren auch Füchse. Sie verhörten die Gans, verurteilten sie, ließen sie
hinrichten und nagten gemeinsam die Gänseknochen ab“.1
1Drucksachen, Lesebuch für die 8. Klasse, Düsseldorf 1975, S. 32, zitiert in: Joachim Cochlovius, Strategien für eine bessere Welt. Kritische Kurzdarstellung moderner Befreiungskonzepte, Neuhausen-Stuttgart 1984, S. 39.