Home/Textproben Bestellen/AGB Aktuelles Produkt Islamistische_News Kleinstein-News*** Terrorismus Bad News God News Gedichte "Weisheiten" Hiob und andere Autoren

 

Artikel aus "Der Bund" (CH-Bern) vom 24. März 2005

"In Oesterreich wird das Verfahren gegen den Euthanasie-Arzt Gross eingestellt

Eines der dunkelsten NZ-Kapitel Oesterreichs soll auf wenig erhellende Art geschlossen werden: Nach jahrzehntelanger Verschleppung des Prozesses gegen den prominenten einstigen Nazi-Arzt Heinrich Gross wird das Verfahren demnächst eingestellt.

Rudolf Gruber, Wien

Ausschlaggebend für die Einstellung des Verfahrens gegen Gross sind Gutachten der Forensischen Psychiatrie der Universitätsklinik Basel. Darin heisst es, der heute 89-jährige Angeklagte leide unter einer langsam fortschreitenden Demenz, weshalb er der Gerichtsverhandlung nicht mehr folgen könne. Die Expertise kommt zum Schluss, "dass mit einer durchgreifenden Besserung des Zustandes des Angeklagten nicht mehr zu rechnen ist". Justizministerin Karin Miklautsch will nun das Verfahren, das vor fünf Jahren begonnen hat, einstellen. Weitere Gutachten seien "nicht erforderlich", antwortete die FPÖ-Ministerin auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen.

Der  Grünen-Politiker Karl Öllinger kritisiert, dass sich die Justizministerin allein auf die Basler Expertise stütze und forderte noch andere Gutachten. Grund des Misstrauens: Nachdem Gross bei Prozessbeginn im März 2000 vor dem Richter den Eindruck eines geistig Abwesenden erweckt hatte, gab er danach in einem Wiener Kaffeehaus Interviews und konnte sich durchaus an Details aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern.

Tötung behinderter Kinder

Gross wird vorgeworfen, im Sommer 1944 als Arzt an der berüchtigten Wiener Euthanasieklinik "Am Spiegelgrund" an der Tötung von neun behinderten Kindern mitgewirkt zu haben. Laut dem  "Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands" starben in der Wiener Todesklinik insgesamt 789 behinderte Kinder und Jugendliche, von den Nazis als "erbbiologisch minderwertig" eingestuft, an den Folgen medizinischer Experimente, an Krankheiten, Hunger und Girftspritzen.

Der Fall Gross gilt als exemplarisch für die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit in Oesterreich. Ausgerechnet die Sozialdemokraten (SPÖ) haben dem NS-Arzt zu einer beachtlichen Nachkriegskarriere verholfen und ihn auch noch mit hohen Orden der Republik behängt. Bittere Ironie der Geschichte: Gross, dem jetzt geistige Unzurechnungsfähigkeit attestiert wird, hat als einer der prominentesten Gerichtsgutachter jahrzehntelang die Zurechnungsfähigkeit Hunderter Angeklagter beurteilt und deren Straffähigkeit mitbestimmt.

Von Politik und Justiz geschont

Als der Prozess vor fünf Jahren bereits nach einer halben Stunde vertagt und seither nicht wieder aufgenommen wurde, war abzusehen, "dass man die Sache sanft entschlummern lässt", zitierte eine Zeitung den prominenten Wiener Arzt Werner Vogt, der Ende der Siebzigerjahre Gross angezeigt hatte. Damals hatte der SPÖ-Justizminister Christian Broda das Verfahren nidergeschlagen. "Dass Politik und Justiz jahrzehntelang ihre schützende Hand über Gross gehalten haben, ist der eigentliche Skandal", sagte Vogt.

Erst 2002, 57 Jahre nach Kriegsende, waren die sezierten Überreste der Euthanasieopfer, die jahrzehntelang in Chemikalien konserviert im Keller der Anstalt lagerten, beigesetzt worden.  597 Opfer konnen identifizeirt werden. Mit der zu erwartenden Einstellung des Prozesses erlischt für die Überlebenden und die Nachkommen der Opfer jede Hoffnung auf ein Urteil gegen den Nazi-Arzt."

Top >>> Bad News

Home/Textproben Bestellen/AGB Aktuelles Produkt Islamistische_News Kleinstein-News*** Terrorismus Bad News God News Gedichte "Weisheiten" Hiob und andere Autoren




Home/Textproben Bestellen/AGB Aktuelles Produkt Islamistische_News Kleinstein-News*** Terrorismus Bad News God News Gedichte "Weisheiten" Hiob und andere Autoren